Marburg – 23.11.2014

Es sind nur gute zweieinhalb Stunden bis Marburg, und Sören fährt uns durch herrlich warme Herbstsonne entspannt bis zur „Waggonhalle“. Auch hier machen wir erst einen Spaziergang in die Altstadt und essen in einem kleinen Restaurant, dass auf orgiastische Weise weihnachtlich geschmückt ist. Hunderte (ja, Hunderte!) Weihnachtsmänner im Erdgeschoss, oben hängen Hunderte (ja, Hunderte!) Christbaumkugeln von der Decke.

Unsere Mercherin Maresa und wir essen sehr gehaltvoll (Gans, Ente, Marburger Krüstchen), trinken wieder Kellerbier und Maresa ihren ersten Äppler.

Sehr satt und sehr zufrieden gehen wir durch das dunkelnde Marburg zurück zur „Waggonhalle“, machen Soundcheck und helfen beim Bestuhlen. Nein, diesmal kein Witz. Obwohl. Stuhl. Hihi.

Als wir anfangen, sitzen in der ersten Reihe zwei befreundete Ehepaare und nach den Erfahrungen von Bochum und Braunschweig starten wir etwas softer, weil – so verständigen Sören und ich uns in der Pause – wir ihnen ja doch irgendwie gefallen wollen. Ich spreche sie sogar an, sage, sie mögen sich und uns den Gefallen tun und bleiben: wenn sie gehen, tun sie uns damit nicht weh, auch wenn sie glauben, damit ein Zeichen zu setzen.

Aber es bleibt: wir sind zu soft, zu lahm, zu zaghaft. Erlauben uns keine richtig harten Gags. Wir ärgern uns beide in der Pause, weil es ja vor allem idiotisch ist, Leuten gefallen zu wollen, die es aller Wahrscheinlichkeit nach eh nicht verstehen.

Wir drehen zur zweiten Hälfte also auf und da ist es wieder, das Gefühl aus Bamberg. Die Härte, diese Satire. Bezeichnenderweise sind die beiden Paare tatsächlich gegangen, dafür kommt ein Lehrer-Ehepaar und schaut sich die zweite Hälfte an. Und es scheint ihnen tatsächlich zu gefallen.

Hitler, Pädophilie, „Primark“, die Hunnen und der Rackel-Hahn (Sören erzählte schon gestern davon, wie diese Kreuzung aus zwei besonders aggressiven Spezies einen Birkhahn erst tötet, dann köpft und schließlich den Leichnam fickt) kommen vor und wir stellen wieder fest: wenn wir die Show machen, auf die WIR Bock haben, sind wir viel lustiger, als wenn wir uns anbiedern, als wenn wir gefallen wollen.

Wir lassen das Tour-WE erst in der zur „Waggonhalle“ gehörenden Kneipe, dem „Rotkehlchen“, und dann in der Künstlerwohnung (mit im Gebäude) ausklingen, zusammen mit zwei Fans sowie Jan (dem Mann von Licht und Ton) und Christian (Veranstaltungskaufmanns-Azubi, so ich mich richtig erinnere). Und das – again, danke ihr Lieben! – ist richtig nett. Da vergisst man doch glatt die Müdigkeit.

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