Karlsruhe – 26.11.2014

Da Sören am Samstag um sechs Uhr früh in seinen Urlaub fliegt, muss er zwischen Marburg und Karlsruhe noch mal nach Berlin: um Wäsche zu waschen, sein Motorrad für den Winter einzulagern und Gepäck für die Reise vorzubereiten. Ich hingegen fahre nur eine Stunde weit nach Frankfurt/Main und besuche meine Cousinen. Das spart nicht nur Fahrgeld, sondern auch stressige Fahrzeit: kein Wunder, dass Sören, als wir uns in Karlsruhe wiedersehen, so viel mehr erledigt ist als ich.

Ich verbringe also zwei Tage in Frankfurt, treffe mich mit meinen Cousinen, gehe bummeln und kaufe mir im „Sneakerking“ neue Schuhe. Als ich dem Inhaber sage, ich sei Comedian, fragt er, ob ich Oliver Polak kenne. Ich muss grinsen und bejahe, woraufhin er erzählt, dass der hier auch schon Sneakers gekauft habe.

Trotz der Tatsache, dass wir beide auf dem Zahnfleisch gehen, wird Karlsruhe einer der stärksten Abende der Tour. Es geht unter anderem um den Freispruch des Polizisten aus Ferguson und das nur widerlich zu nennende Werbevideo zum Thema „Vergewaltigung“, das die ungarische Polizei vor ein paar Tagen veröffentlicht hat. Dessen Hauptaussage: „Wenn du dich schminkst, einen Minirock trägst, feierst und trinkst, bist du selbst Schuld, wenn man dich vergewaltigt.“

Mit derselben schwachsinnigen Logik nehmen wir einen Typen in der ersten Reihe aufs Korn, der einen Schottenrock trägt. Und ich habe wirklich das Gefühl, dass die Leute kapieren, worum es geht. Dass sie erkennen, wie sexistisch die Argumentation dieses Videos ist. Nicht nur Frauen gegenüber, die sich nicht schminken, nicht feiern und tanzen dürfen. Sondern auch Männern gegenüber, die auf ihre Triebe reduziert werden: Sehen Männer eine Frau im Minirock, können sie gar nicht anders, als über sie herzufallen. Was für ein verdammter Schwachsinn.

Schwach – um mal eine sehr miese Überleitung zu verwenden – ist an der Show in Karlsruhe nichts. Die einzige Schwäche ist womöglich, dass wir zu hoch vorgelegt haben – wer weiß, ob das heute morgen in Nürnberg zu toppen ist.

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