Ich fahre schon am Mittwoch Richtung Elmshorn, weil ich zwei Tage bei Freunden verbringen und am Donnerstagabend auf die Record-Release-Party meiner ehemaligen Band Museum gehen will. Das Schlagzeug auf dem Album habe noch ich eingespielt und bei einem Song sogar komponiert, umso mehr freue ich mich, dass das Album „Traces Of“ endlich erschienen ist.
Der Abend – Konzert und anschließende Feier – ist großartig. Es ist zwar mindestens skurril, Museum live zu sehen und nicht selbst am Schlagzeug zu sitzen, aber die Jungs von außen zu sehen, ist fast besser. Und so bin ich nach etlichen Bieren, Zigaretten (ich bin Nichtraucher!!) und einem Nachtspaziergang – fabelhafte Idee meines Kumpels B. – erst um kurz vor vier im Bett.
Am Freitag bin ich also schlimm müde und übel verkatert, als wir uns – Sören und ich haben uns in HH getroffen – auf den Weg zum kleinen, aber, wie ich bald feststelle, sehr feinen Metalfestival Black Way Open Air mache. Müdigkeit und Kater aber werden von der Vorfreude, zu spielen, in den Hintergrund gedrängt. Natürlich regnet es, als wir ankommen und ich bin ziemlich sicher, dass das eine Festivalgrundregel ist: Kein Open Air ohne Regen.
Jede Band kriegt vom Veranstalter eine Kiste Bier gestellt, und der Zeitpunkt könnte schlechter kaum sein: Sören nimmt einer Entzündung wegen Antibiotika und ich kann noch nicht wieder trinken.
Nichtsdestoweniger ist das Konzert – bei zeitweise strömendem Regen – ein Fest. Highlight ist Zweifels ohne unsere Niveauisation mit dem Titel „Hubschraubereinsatz“, bei der ein paar Jungs vor der Bühne „Hub, Hub, Hubschraubereinsatz“ grölen, was Sören und ich kurzerhand zum Refrain machen. Ich denke: „Hej, zusammen mit der Gitarre groovt das ja richtig. Ist nicht der anspruchsvollste Text, aber das kann man ja in den Strophen ausgleichen.“ Ich sage: „Sören, daraus sollten wir einen Song fürs nächste Album machen.“ Was ich nicht weiß und mir erst in der Bahn zurück nach HH ergoogle: DJ Düse – ein Mallorca-Party-DJ – hat daraus bereits 2009 einen Song gemacht. My bad.
Am Samstagmittag kommen wir in Bückeburg an, und Sören erzählt mir, dass die Niederschlagswahrscheinlichkeit bei 85 Prozent liegt. Das steigert die Vorfreude nicht gerade: Ich gucke absichtlich nie vor einem Auftrittswochenende die Wettervorhersage an, um mir nicht die Laune zu verderben.
Einen weiteren Dämpfer gibt es dann, als wir im Hotel ankommen: Die CDs, die Sören mit schweineteurem DHL-Expressversand verschickt hat, sind nicht angekommen, und unsere Vorräte gehen zur Neige. Außerdem sind wir zu früh: Die Zimmer sind noch nicht so weit, der Hotelchef aber bucht uns einfach in einem Partnerhotel ein, damit wir in Ruhe duschen und uns umziehen können, bevor wir auftreten. Servicewüste Deutschland? Nicht in Bückeburg.
Entgegen der Vorhersage regnet es auch nur episodenhaft und nicht besonders viel, so dass bei unseren Auftritten auf dem MPS immer etwas los ist. Wir haben schon um halb sieben Feierabend, und ich bin von den vergangenen Tagen so erledigt, dass ich nur noch ein Bier mit einer Freundin trinke und dann ins Hotel gehe. Sören bleibt noch da, und schaut sich Omnia an, die unseren letzten Auftritt in ihrem Blogeintrag vom Montag „fucking hilarious“ nennen werden. (Thanks, Steve. That is quite a compliment. We’re more than flattered.)
Am Sonntag schließlich ist so großartiges Wetter, dass wir uns für unsere Auftritte nach hinten auf die Bühne stellen, damit ich mir nicht – dank meiner Tom-Cruise-artigen, käseweißen Haut – einen Sonnenbrand (und irgendwann Melanome*) hole. Zu unserem Glück haben Rapalje einen (selbstgebauten!!) Tisch von 1 Meter 50 mal 2 Meter 50 auf der Bühne stehen, auf den wir uns kurzerhand stellen und dadurch gleich noch viel weiter oben stehen. Unnötig zu erwähnen, dass wir das zum Anlass nehmen, unzählige Wortwitze zu machen („Das Niveau wird gehoben…“ etc.).
Zusätzlich zu unseren Niveauisationen bringt uns David von Rapalje das Spiel „Story Cubes“ auf die Bühne, das aus neun Würfeln besteht, die mit Symbolen versehen sind und aus denen man eine Geschichte machen muss. Wir würfeln und bauen die Symbole in „Für den Frieden ein“, was die Geschichte des Songs zwar vollkommen beseitigt, aber umso komischer ist.
Erst, als wir mit dem letzten Auftritt durch sind – heute war das MPS des großartigen Wetters wegen richtig schön voll –, fängt es an, zu nieseln, und der Nieselregen begleitet mich auch bis zum Bahnhof. Sören fährt zu seinen Eltern, ich zurück nach Berlin: Meine Cousine ist zu Besuch und wir feiern in ihren Geburtstag rein, außerdem bin ich unter der Woche wieder mit meinem musikalischen Soloprojekt Vorband im Studio. So viel ist klar: Bückeburg Nummer zwei wird es schwer haben, Nummer eins zu toppen.
(*Meine Eltern sind Ärzte, und jeder fünfte Patient kommt mit einem Melanom in die Praxis. Also, ihr Lieben: Cremt euch ein oder bleibt im Schatten, denn Hautkrebs sucks.)






